Sonntag, 10. Juli 2016

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du bald stirbst?

Anne Freytag





Anne Freytag studierte, bevor sie den Versuch als Autorin wagte, International Management und arbeitete in unterschiedlichen Werbeagenturen. Unter ihrem Pseudonym Ally Taylor veröffentlicht sie Liebesromane und -komödien, während sie sich unter ihrem bürgerlichen Namen eher Erwachsenen- und Jugendliteratur widmet.

"In meinen Geschichten geht es meistens um Entscheidungen. Die, die wir treffen, oder eben nicht. Es geh immer darum, warum man etwas nicht tut und was einen zurückhält." - Anne Freytag

Tessa ist 17 Jahre alt, Jungfrau und hat keinen Führerschein. Dafür hat sie ein Loch im Herz und weiß, dass sie in absehbarer Zeit sterben wird. Ihr ganzes Leben lang hat sie für ihre Zukunft gelebt und war die Vorzeigetochter, die sich jeder wünscht. Sie spielte zwei Instrumente, war in der Schule sehr gut und hatte eine Zusage für eine Eliteuni. Nachdem sie von ihrem Schicksal erfährt, fällt sie in eine tiefes Loch mit dem Gefühl im Leben noch nichts erreicht zu haben. Doch dann trifft sie Oskar.
Dieser versucht sie nun entgegen aller Empfehlungen auf eine letzte Reise mitzunehmen, auf der Tessa ihren Kontrollzwang ablegt und zum ersten Mal für den Moment und für sich lebt.

"Du wirst sagen, dass es das schwerer machen wird, und das stimmt, aber man kann nicht nicht leben, nur weil man am Ende gehen muss. Vielleicht haben wir wirklich nur noch Wochen, vielleicht sind es nicht einmal mehr Monate, aber wir haben den Moment."



Auf den ersten Blick scheint Tessa's Leben perfekt zu sein. Sie lebt behütet und bekommt alles was sie sich wünscht. Im Gegenzug ist ihr Vater jedoch nicht oft Zuhause und auch ihre Schwester scheint sich immer weiter von ihr zu entfernen.
Auch wenn sie dies nicht so sieht, liegt das zum Großteil an ihrer Beschränktheit auf ihr eigenes Leben. In jeglichen Diskussionen fällt lediglich das Argument ihres nahenden Todes, was mich auf Dauer doch gestört hat, denn in ihrem Umkreis bemüht sich jeder, ihr die letzten Tage erträglich zu machen und im Gegenzug verkriecht sie sich nur umso mehr.
Ein weiteres Problem stellt für Tessa ihre Narbe dar, die ihrer Meinung nach ihren ganzen Oberkörper entstellt. Natürlich muss jeder selbst mit solchen Dingen umgehen lernen. Ich für meinen Teil fand dies etwas anfeindend, denn ich selber habe auch zwei größere Narben an meinem Bein und würde sie als Schande empfinden.
Auf der anderen Seite bietet dieses Buch jedoch auch so viele wunderbare Aspekte.
In den verschiedensten Momenten fragen sich Oskar und Tessa nach dem perfekten Song für den Moment. Somit bekommt man als Leser durch die Kombination mit der Musik (wenn man diese dann tatsächlich "mithört") noch einen ganz anderen Eindruck von ihren Erlebnissen.



Noch dazu führt ihr Roadtrip die Beiden nach Italien und dieser Teil der Geschichte so bildhaft erzählt, dass man sich schon bald selber mit einem leckeren Stück Pizza und einem Eis an den Stränden Italiens sieht.
Am beeindruckendsten fand ich jedoch den Charakter von Oskar. Anstatt geschockt Abstand von Tessa zu nehmen, nachdem er von ihrer Krankheit erfährt, bindet es ihn eher noch enger an sie. Jeder andere hätte aus einer Art Selbstschutz Abstand genommen, doch er sieht die verbleibende Zeit als Chance ihr die schönsten Tage ihres Lebens zu bescheren.



Alles in allem war "Mein bester letzter Sommer" eine sehr schöne Geschichte, die sich schnell weg liest. Leider war das Ende vorhersehbar, was dem Buch jedoch keinen Abbruch getan hat.
Am liebsten würde ich nun selber gern meine Sachen packen und mich einfach zwanglos auf einen Roadtrip Richtung Italien aufmachen. Vor allem gerade in dieser Zeit, wo der Sommer hier im Norden noch nicht ganz angekommen zu sein scheint, ist dies das ideale Buch, um in die richtige Stimmung für die Ferien zu kommen.




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